Allgemeines zu Rehabilitationsmaßnahmen

Schulung in Orientierung und Mobilität (O&M)

... ist die Anpassung und die Einweisung in den Gebrauch des Hilfsmittels Blindenlangstock. Das Ziel der Schulung ist der größtmögliche Ausgleich oder die Wiederherstellung der durch Blindheit oder Sehbehinderung bedingten Mobilitäts- und Orientierungsbeeinträchtigung. Während des Unterrichtes erlernt man, sich unabhängig von einer sehenden Begleit- person sicher und selbständig im Straßenverkehr zu bewegen und Wege eigenverantwortlich zu bewältigen. Dabei spielen die Schulung der verbliebenen Sinne sowie der Orientierung und Fortbewegung aber auch die Überprüfung von anderen geeigneten Hilfsmitteln wie z.B. elektronischer Oberkörperschutz, Monokular u.a. eine entscheidende Rolle.

Schulung in Lebenspraktischen Fähigkeiten (LPF)

... ist die Vermittlung von blinden- und sehbehindertenspezifischen Techniken zur Erhaltung und Wiedererlangung der Fähigkeit, alltägliche Aufgaben des Lebens zu bewältigen. Hierzu gehören bspw. die hauswirt- schaftliche Versorgung, Körperpflege, Mobilität zu hause, Kochen, Essen, Hilfsmittel, häusliche Reparaturen, Nähen, Babypflege… Auch Kommunikationstechniken wie Umgang mit dem Telefon, Umgang mit Münzen und Geldscheinen, Körpersprache, Punktschrift (Braille) oder das Erlernen der Unterschrift gehören dazu.

Voraussetzung

Die Schulungen in O&M und LPF werden durch speziell ausgebildete Rehabilitationslehrer für blinde und sehbehinderte Menschen am Wohnort des Betroffenen in Einzelunterricht durchgeführt. Dabei werden die Bedürfnisse, Wünsche und Fähigkeiten des Einzelnen individuell berücksichtigt. Für die Durchführung der Maßnahmen gibt es keine Altersgrenze. Jeder, der ausreichend motiviert ist, kann an den Schulungen teilnehmen.

Diese werden bewilligt, wenn eine hochgradige Sehbehinderung oder Blindheit vorliegt: Sehschärfe weniger als 1/20 (0,05) oder andere Störungen des Sehvermögens (Gesichtsfeldausfälle), die trotz besseren Sehvermögens als 0,05 in Art und Schwere gleichzusetzen sind und einen Grad der Behinderung von 100 rechtfertigen.

Für gesetzlich Versicherte besteht ein Rechtsanspruch auf Kosten- übernahme der Schulung in O&M durch die Krankenkasse. Voraussetzung ist ein Rezept des behandelnden Augenarztes über zwei Langstöcke und Unterricht in Orientierung und Mobilität. Dieses Rezept wird zusammen mit einem Kostenvoranschlag des Rehabilitationslehrers bzw. der – lehrerin bei der Krankenkasse eingereicht.

Die Schulung in Lebenspraktischen Fähigkeiten ist seit 2001 im Sozialgesetzbuch IX – Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen – als Rehabilitationsmaßnahme verankert. Es gibt eine Empfehlung der Spitzenverbände der Krankenkassen zur Übernahme eines Basistrainings durch die Krankenkassen. Für diese Schulung muss die Kostenübernahme im Einzelfall geklärt werden.

Als Kostenträger für die Rehabilitationsmaßnahmen können auch die Deutsche Rentenversicherung, die Berufsgenossenschaft, die Agentur für Arbeit und die Sozialhilfeträger in Frage kommen.

Entscheidend sind hierfür der Zeitpunkt des Eintrittes der Sehschädigung, die Ursache sowie die Ausgangssituation bzw. der Anlass und das Ziel der Schulungen.

Der Umfang der Maßnahmen und die genauen Inhalte der Schulungen werden vorher gemeinsam mit dem/der Betroffenen in einem Erstgespräch geklärt. Dieses dient auch dazu, die Fähigkeiten, Bedürfnisse und gesundheitlichen Voraussetzungen des Einzelnen kennen zu lernen.

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