Erklärung der V. Landesdelegiertenkonferenz zur weiteren Ausgestaltung der Tätigkeit des Landesverbandes in den nächsten Jahren

ARBEITSPROGRAMM 2006–2010

Erklärung der V. Landesdelegiertenkonferenz zur weiteren Ausgestaltung der Tätigkeit des Landesverbandes in den nächsten Jahren

ARBEITSPROGRAMM 2006–2010

Vorbemerkung

Die hier festgeschriebenen Arbeitsschwerpunkte sind die wichtigsten Ziele, die der BSVS in den folgenden Jahren durch eine effektive und erfolgsorientierte arbeit des Landesvorstandes und aller weiteren Untergliederungen des Landesverbandes erreichen muss und kann. Voraussetzung dafür ist, dass der Landesvorstand in erster Linie eine optimale inhaltliche Arbeit im Sinne der Selbsthilfe und der satzungsgemäßen Aufgaben leistet und die Geschäftsführung mit der Landesgeschäftsstelle sich hauptsächlich auf die effiziente Führung der Geschäfte konzentriert.

Die letzten Jahre waren von nicht wenigen Schwierigkeiten und Problemen gekennzeichnet. Das betraf und betrifft insbesondere

Für die nächsten Jahre gilt es deshalb die Einsatzbereitschaft, Fähigkeiten und die Kompetenz unserer ehrenamtlichen und hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in größtmöglichem Umfang zu nutzen.

Insofern dient die vorliegende Erklärung oder auch Arbeitsprogramm dem Selbstverständnis unserer Arbeit und der Identifikation aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit den Zielen und Aufgaben des BSVS.

Deshalb stehen auf der Basis der Satzung des Blinden-und- Sehbehinderten-Verbandes Sachsen e. V. (BSVS) im Zeitraum 2006 – 2010 folgende Aufgaben im Mittelpunkt unserer Arbeit:

I. Strukturelle Entwicklungen in der Mitgliedergewinnung

Erschreckend ist die stetig sinkende Zahl der Mitglieder im BSVS. Ausgehend von der fundamentalen Bedeutung einer hohen Mitgliederzahl in unserem Landesverband für eine wirksame und überzeugende Interessenvertretung sehbehinderter und blinder Menschen gegenüber Politik, Staat, Gesellschaft und Öffentlichkeit, eine Erhöhung der Einflussnahme auf die Sozialpolitik, speziell die Behindertenpolitik auf Landes- und kommunaler Ebene, die Wahrnehmung der spezifischen Anliegen einer wachsenden Zahl von Menschen mit erheblichem Sehverlust sowie für die nachhaltige personelle, organisatorische und finanzielle Stärkung des BSVS mit all seinen Untergliederungen erklärt die V. Landesdelegiertenkonferenz des BSVS die Gewinnung neuer Mitglieder zur Hauptaufgabe für die Wahlperiode 2006 – 2010.

Ziel sollte es sein im Jahr 2010 eine Steigerung der Mitgliederzahl um mindestens 10% gegenüber der im Jahr 2006 zu erreichen. Um dieses Ziel realisieren zu können, schlägt der Landesvorstand folgende Strategie vor:

Phase 1: November 2006 – April 2007
Im Landesvorstand und in allen Untergliederungen des BSVS werden die Ergebnisse sowie die neuen Aufgabenstellungen der V. Landesdelegiertenkonferenz des BSVS insbesondere unter dem Blickpunkt ihrer Bedeutung für die Mitgliedergewinnung und der Qualitätssteigerung der Angebote des Verbandes ausgewertet. Bereits vorhandene Dokumente, Materialien, etc. zur Mitgliedergewinnung, zur Gestaltung der Öffentlichkeitsarbeit u. a. werden in die Überlegungen einbezogen. Die Ergebnisse der Auswertungen der einzelnen Kreisorganisationen werden bekannt gegeben und die Resultate der einzelnen Regionen zusammengefasst. Auf der Landesausschusstagung (LAT) Ende April 2007 wird das Ergebnis für den gesamten Landesverband vom Landesvorstand bekannt gegeben und gleichzeitig müssen neue Programme bzw. Projekte diskutiert und beschlossen werden.

2. Phase: Mai 2007 – April 2008
Während dieser Zeit muss kontinuierlich auf Landes- wie auch auf Kreisebene an der Umsetzung der von der 1. LAT in der 5. Wahlperiode beschlossenen Programme bzw. Projekten gearbeitet werden. Unbedingt notwendig ist es, so genannte Qualitätsstandards für Angebote des BSVS für seine Mitglieder bzw. seine zukünftigen Mitglieder zu erreichen. Auf den Regionalkonferenzen und der 2. LAT werden bis dahin erreichte bzw. weitere Aktivitäten zur Mitgliedergewinnung ausgewertet. Die Arbeit trägt erste Früchte. Anfang 2008 sollte der Mitgliederrückgang gestoppt worden sein. Ausgehend davon, dass erfahrungsgemäß Mitglieder die besten „Werbeträger“ sind, werden regionale Programme „Mitglieder werben Mitglieder“ erarbeitet.

3. Phase: Mai 2008 – April 2009
Je weiter der Zeitraum vom Heute entfernt ist, desto weniger konkret lassen sich Voraussagen machen. Das weitere Vorgehen hängt entscheidend von der bis dahin erreichten Lebensrealität ab (z. B. Wirkungsgrad der Programme, Veränderungen bei den Zielgruppen, Veränderungen politischer, wirtschaftlicher und sozialer Verhältnisse, neue Mitbewerber, etc.). Nach wie vor ist es außerordentlich wichtig, dass intern die bisherigen Angebote kritisch geprüft und ggf. Veränderungen eingeleitet werden. In der 5. Wahlperiode wird halbjährlich, d. h. auf jeder LAT der aktuelle Mitgliederstand bekannt gegeben. Auf der 4. LAT (Ende 2008) ist zu erwarten, dass es eine Steigerung der Mitgliederzahl um etwa 3% geben wird. Es beginnt die Suche nach neuen Zielgruppen und Wegen zu diesen! Es müssen Schulungsprogramme entwickelt werden, um den „Glauben zu Wissen“ in reales Wissen zu verändern, dies gibt mehr Souveränität und macht die Arbeit der jeweiligen ehrenamtlichen und auch hauptberuflichen Mitarbeiter professioneller. Zudem muss ein weiteres Zielgruppenprogramm für blinde und sehbehinderte Schüler entwickelt werden: „Schon als Schüler Mitglied werden“.

4. Phase: Mai 2009 – April 2010
Programme, Projekte sowie Angebotsstrukturen werden wiederholt überprüft und gegebenenfalls verändert. Der BSVS profiliert sich zunehmend als Patientenorganisation mit ausgeprägtem Selbsthilfecharakter für Menschen mit Sehbehinderung und Blindheit. Inzwischen sollte auch ein deutlich größerer Kreis von ehrenamtlich tätigen Mitgliederbetreuer/innen aufgebaut worden sein, denn diese Arbeit macht Spaß, besonders wenn man auch durch eine entsprechende Qualifikation (z. B. „Gesprächsführung“, „Normalitäten des Alters“, „Telefonberatung“, etc.) die Sicherheit bekommen hat, gute Arbeit machen zu können. Und auch die Mitgliedskarte erweist sich als „erstrebenswert“. Ende 2009 sollte der BSVS bereits etwa 9% mehr Mitglieder vorweisen können.

5. Phase: Jahr 2010
Auf der VI. Landesdelegiertenkonferenz wird die Bilanz dieser Strategie gezogen; es werden neue zukunftsweisende Überlegungen mit neuen Zielen und Strategien entwickelt, denn die Zeiten werden sich weiterhin rasant verändern und erfordern adäquates Reagieren und Agieren, wofür ein mitgliederstarker Verband Voraussetzung ist. Ende 2010 sollte der BSVS mindestens 10% mehr Mitglieder im Vergleich zum Stand 2006 haben! * II. Öffentlichkeitsarbeit, Interessen- und Mitgliedergruppen Um die Strategie zur Mitgliedergewinnung durchführen zu können, ist eine funktionierende Öffentlichkeitsarbeit im BSVS notwendig. Diese ist noch ausgeprägter als bisher unter den Gesichtspunkten der Interessenvertretung gegenüber Behörden, Ämtern und der Gesellschaft insgesamt, der Beschaffung notwendiger finanzieller Mittel für die Arbeit des Verbandes zu konzipieren und auszuführen. Der BSVS muss seine stetige Präsenz auf regionaler wie auch auf überregionaler Ebene steigern. Einige KO leisten hierbei bereits vorbildliche Arbeit. Im Jahr 2007 muss es zum Selbstverständnis geworden sein, dass die Medienorgane (Presse, Rundfunk, TV) rechtzeitig über die Aktionstage der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe informiert werden. Auch die Mitgliedergewinnung, die Hauptaufgabe in der 5. Wahlperiode ist unmittelbar mit einer funktionierenden Öffentlichkeitsarbeit verbunden. So ist darauf zu achten, dass Blinde und Sehbehinderte in den Medien differenziert in ihren konkreten Lebenssituationen dargestellt werden. Die bereits erschienenen Broschüren des BSVS sind in regelmäßigen Abständen zu aktualisieren. Der Landesvorstand wird beauftragt, die Herausgabe weiterer thematischer Publikationen zu sichern (mögliche Themen: Elternberatung, die Situation blinder und sehbehinderter Senioren). Die Nutzung der vom DBSV herausgegebenen Publikationen und Materialien zur Gestaltung der Öffentlichkeitsarbeit muss verbessert werden. Es sind Partner zu gewinnen, mit deren Unterstützung moderne, optisch wirksame Aufklärungs- und Informationsmaterialien wie z. B. Videofilme(DVD), Plakate für Ausstellungen und Informationsveranstaltungen erarbeitet werden können. Der Landesvorstand wird beauftragt im Interesse einer kontinuierlichen Medienarbeit zu prüfen, ob ein Pressesprecher oder Medienverantwortlicher eingesetzt werden soll.

Zugleich wird der Landesvorstand beauftragt, gemeinsam mit der Arbeitsgruppe "Öffentlichkeitsarbeit" weitere Arbeitsmaterialien herauszugeben (Rededispositionen, aktuelle Zahlen und Fakten, weitere Broschüren). Ein weiteres Ziel ist es, die Verbandsmagazine neben der Kassettenversion bis Ende 2007 auch als CD im DAISY-Format anzubieten. Es ist anzustreben, dass weitere Kreisvorstände regionale Informationen in akustischer Form herausgeben. Dabei werden sie durch den Landesvorstand und die AG Öffentlichkeitsarbeit fachlich unterstützt. Da die Zahl der Mitglieder, die über einen eigenen Internetzugang verfügen, stetig steigt, muss es ein weiteres Ziel sein bis Mitte 2007 im BSVS einen „news-letter“ bzw. einen landesweiten E-Mail-Verteiler für Interessierte einzurichten. Dieser könnte einerseits ein alternatives Angebot zum „Mobil“ darstellen, indem Informationen über die Arbeit des Landesvorstandes darüber verschickt werden. Andererseits wäre er auch als Kontakt- und Austauschforum für Mitglieder nutzbar. Eine weitere Herausforderung für die Arbeit des Landesvorstandes ist die Erarbeitung eines anspruchsvollen und öffentlich wirksamen Konzeptes zur Durchführung eines „Festivals der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe“ im Jahr 2009, als Abschluss einer Reihe von Veranstaltungen unter dem Motto „200 Jahre Blindenbildung in Sac- hsen“. Damit verbunden ist das Gefühl der Gemeinsamkeit, Verbundenheit und Stärke unter blinden und sehbehinderten Menschen zu vermitteln und zu stärken. Außerdem dient es der Imagestärkung des Verbandes in der Mitgliedschaft, in der Mitarbeiterschaft sowie bei den Zielgruppen der Verbandsarbeit. Es sind insbesondere Diskussionsrunden, Vorträge, Symposien und Ausstellungen usw. geplant. Dabei ist es vorstellbar, Vertreter eines Gastlandes in die Veranstaltungen einzubinden. Darüber hinaus sind kulturelle und sportliche Höhepunkte und Spezialangebote von Museen und anderen Kultureinrichtungen geplant. Die bestehenden Fach- und Mitgliedergruppen geben die Möglichkeit, unterschiedliche und differenzierte Interessen zu berücksichtigen und dadurch den BSVS attraktiver auszugestalten. Das gilt sowohl für die Landesebene als auch für den Bereich der KO. Im Territorium ist es erforderlich, auch auf diesem Gebiet weitaus stärker als bisher zwischen den KO zusammen zu wirken. Bis Anfang 2008 sind konzeptionelle Vorstellungen für eine blinden- und sehbehindertenspezifische Seniorenarbeit zu entwickeln. Besondere Aufmerksamkeit ist dabei den blinden und sehbehinderten Menschen zu widmen, die in Senioren- und Pflegeheimen wohnen. Noch stärkere Berücksichtigung als bisher muss auch der relativ großen Zahl an sehbehinderten Mitgliedern Zuteilwerden, denn Sehbehinderung ist eine eigenständige Behinderung, wenngleich sie in manchen Ausprägungen “gesetzlicher” Blindheit entspricht. Die Bedürfnisse blinder und sehbehinderter Menschen können deshalb durchaus unterschiedlich sein. Menschen mit Sehbehinderung suchen den Austausch über medizinische Aspekte ihres Augenleidens. Sie fühlen sich nicht als Menschen mit Behinderung, sondern als Patienten mit Hoffnung auf Heilung. Für unsere sehbehinderten Mitglieder müssen eigene Angebote geschaffen werden, so z. B. Beratung, Erfahrungsaustausch, Freizeitangebote usw. Bei Beratungsangeboten ist darauf zu achten, dass Sehbehinderte Mitglieder bzw. zukünftige Mitglieder nach Möglichkeit von Gleichbetroffenen beraten und informiert werden. Zum Selbstverständnis des BSVS muss es gehören, dass Publikationen u. a. Schriftstücke in barrierefreier Form speziell für Sehbehinderte hergestellt werden. (Schriftgröße und –art, kontrastreiche Gestaltung, etc.)

Die Zusammenarbeit mit Partnern ist auf allen Ebenen fortzuführen, zu festigen und erforderlichenfalls zu erweitern. Dazu gehört u. a.:

Der Gemeinsame Fachausschuss "Bildung und berufliche Eingliederung Blinder und Sehbehinderter in Sachsen" hat auch künftig einen hohen Stellenwert in der Arbeit des BSVS. Gegenstand gemeinsamer Standpunktbildung und Zielstellungen der Arbeit sollten insbesondere sein:

Der BSVS wird auch weiterhin aktiv mitarbeiten:

Bei der Lösung spezifischer Aufgaben wird der BSVS gezielt die Zusammenarbeit mit weiteren Organisationen und Institutionen suchen. Der BSVS bietet seinen kulturell und künstlerisch interessierten Mitgliedern die Möglichkeit, ihren Neigungen in vom Verband geförderten Fach- bzw. Interessengruppen nachzugehen. So wird der "Zirkel Schreibender" im BSVS auch weiterhin unterstützt. Künstlerisch aktiven und interessierten Mitgliedern in den Bereichen Rezitation, Musik, Handarbeiten und Basteln wird eine gezieltere Unterstützung bis hin zu Möglichkeiten für öffentliche Auftritte oder Leistungsschauen geschaffen. Sie sollen dafür gewonnen werden, an der Gestaltung einer wirksamen Öffentlichkeitsarbeit des BSVS mitzuwirken. Die jährlichen Pokalkegelmeisterschaften und das jährliche Preisskatturnier des BSVS werden fortgeführt. Die bestehenden und neu entstehenden Sportgruppen erhalten die im Rahmen der finanziellen Ressourcen mögliche Unterstützung durch Kreisvorstände und Landesverband. Die Teilnahme auch älterer Mitglieder am Rehabilitationssport wird angeregt. *III. Finanzierung der Arbeit Bei voller Anerkennung der Tatsache, dass sich die Beschaffung finanzieller Mittel in den neuen Bundesländern nach wie vor im Vergleich zu der Situation der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe auf dem Gebiet der ehemaligen BRD ungleich schwieriger gestaltet, ist dennoch eine weitaus ausgeprägtere Professionalität in der Finanzarbeit erforderlich. Die dazu gefassten Beschlüsse auf Landesebene, die das Resultat umfassender Diskussion im BSVS sind, bedürfen dringend schnellstmöglicher Umsetzung. Das betrifft insbesondere:

a) Landesvorstand und Landesgeschäftsstelle müssen verstärkte Anstrengungen unternehmen, um die Mittelbeschaffung im Allgemeinen und die Spendenwerbung im Besonderen weitaus effektiver und ertragreicher zu gestalten und besser zu koordinieren. Alle Möglichkeiten der Bezuschussung bzw. Förderung bestimmter Maßnahmen und Projekte durch Ministerien und andere Institutionen müssen auf der Grundlage langfristiger konzeptioneller Arbeit voll ausgeschöpft werden. Gegenüber den Landgerichten und dem Oberlandesgericht sowie den Staatsanwaltschaften ist die ständige Information über die Arbeit des BSVS auf Landesebene zu gewährleisten, um Bußgelder zu erhalten.

b) Alle Dienststellen und Einrichtungen des Verbandes werden aufgefordert, insbesondere auf den folgenden Gebieten auf Sparsamkeit zu achten

c) Die Vorstände der Kreisorganisationen tragen Verantwortung sowohl für eine effektive Finanzarbeit im ihrem Bereich als auch Mitverantwortung für die finanzielle Sicherstellung der Tätigkeit des BSVS auf Landesebene - also auch für die Aufrechterhaltung einer leistungsfähigen Landesgeschäftsstelle.

d) Im Interesse der Sicherung der Gemeinnützigkeit ist es unbedingt erforderlich, insbesondere die erhaltenen Spenden zeitnahe zu verwenden und im Falle von Rücklagenbildung diese zweckgebunden im Sinne der Gemeinnützigkeit anzulegen und dann auch entsprechend zu verwenden. Das gilt insbesondere für eine Reihe von Kreisorganisationen. * IV. Berufliche Eingliederung Die Berufsfachgruppen spielen bei der fachlichen Weiterbildung ihrer Mitglieder eine hervorragende Rolle und führen dazu regelmäßige Veranstaltungen durch. Sie leisten einen aktiven Beitrag bei der überzeugenden Darstellung der Leistungsfähigkeit Blinder und Sehbehinderter an entsprechend ausgestatteten Arbeitsplätzen. Der BSVS wird sich dafür einsetzen, dass sein Zusammenwirken mit dem Integrationsamt und den Integrationsfachdiensten für blinde und sehbehinderte Menschen ausgebaut wird und eine solide vertragliche Grundlage erhält. Blinde und sehbehinderte Arbeitssuchende werden unterstützt, indem ihnen der Verband Veranstaltungen zum Bewerbungstraining u. ä. Themen anbietet und sie in die Fachgruppenarbeit einbezieht. Im Interesse einer effektiveren Unterstützung Blinder und Sehbehinderter im Bereich der beruflichen Eingliederung ist es erforderlich, genauer zu analysieren:

V. Rehabilitation zur Bewältigung des Alltags (RBA), Elternarbeit und Probleme Mehrfachbehinderter

Die RBA bleibt ein Kernstück unserer gesamten Arbeit. Der Verband unternimmt alle Anstrengungen, um die durch das SGB IX für die Rehabilitation Blinder und Sehbehinderter gegebenen Möglichkeiten intensiv zu nutzen.

Er wird auf der Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte eine enge Zusammenarbeit mit den dortigen Beratungsgremien anstreben und auf Landesebene mit den Trägern der Rehabilitation behinderter Menschen zusammenarbeiten.

Geprüft und entschieden werden muss, ob der BSVS im Zusammenwirken mit Rehabilitationslehrerinnen selbst Leistungen unter Einbeziehung der Möglichkeiten der „Villa Rochsburg“ anbietet. Das betrifft insbesondere die Vermittlung lebenspraktischer Fähigkeiten bzw. Schulungen in Mobilität und Orientierung. Zugleich ist zu prüfen, ob es Möglichkeiten einer Kooperation mit bereits bestehenden Leistungserbringern gibt.

Mindestens einmal Jährlich werden Informationstage für Neuerblindete gestaltet, in deren Programm die Teilnehmer mit eigenen Übungen einzubeziehen sind. Die jeweils spezifischen Probleme Blinder, hochgradig Sehbehinderter und Sehbehinderter werden angemessen berücksichtigt. Entsprechende Materialien für die Teilnehmer sind auf Tonträgern und in Schwarzschrift bereitzustellen.

Auf Kreis- und Landesebene ist verstärkt auf die Notwendigkeit des Erlernens der Blindenschrift hinzuweisen. In Zusammenarbeit mit anderen Institutionen ist Erlernbarkeit und praktischer Wert der Blindenschrift zu demonstrieren und zu propagieren.

Ehrenamtliche Punktschriftlehrer müssen systematisch gewonnen und qualifiziert werden.

Ehrenamtliche Mitarbeiter sind über Gesprächsführung und Konfliktbewältigung zu schulen. (s. auch Strategie zur Mitgliedergewinnung)

Der BSVS vertritt aktiv die spezifischen Interessen blinder und sehbehinderter Kinder und deren Eltern sowie blinder und sehbehinderter Eltern mit sehenden Kindern gegenüber der Politik und den zuständigen Behörden.

Die Kontaktaufnahme zu möglichst vielen betroffenen Familien ist die Voraussetzung dafür, sie enger als bisher in die Verbandsarbeit einzubeziehen.

In enger Zusammenarbeit mit den sonderpädagogischen Einrichtungen in Chemnitz und Leipzig und mit den Interessenvertretungen der Eltern wird der BSVS auch zukünftig die spezifischen Interessen der Eltern blinder und sehbehinderter Kinder sowie blinder und sehbehinderter Eltern mit Kindern vertreten.

Um das Programm „Als Schüler Mitglied im BSVS“ auch attraktiv und für die blinden und sehbehinderten Kinder und Jugendlichen interessant und lohnenswert zu machen, müssen Angebote geschaffen werden, so z. B. sollte der BSVS den Schülern und ihren Eltern berufsberatende bzw. - orientierende Veranstaltungen anbieten, an denen berufserfahrene Mitglieder mitwirken. Intensiver Zuwendung bedürfen auch künftig Blinde und Sehbehinderte mit weiteren Behinderungen. Auch in diesem Bereich ist eine sinnvolle, gezielte Arbeit nur möglich, wenn entsprechende gesicherte Daten vorliegen.

Die Taubblindenbetreuung muss mit spezifischen Veranstaltungen auf Landesebene fortgeführt werden. Es ist verstärkt darauf hinzuwirken, dass mehr Taubblinde (wegen der notwendigen Kommunikation), aber auch andere Mitglieder das Lormen und die Blindenschrift erlernen. Entsprechende Kurse oder Einzelunterweisungen sind zu konzipieren und durchzuführen.

Es muss geprüft werden, ob eine regionalisierte Taubblindenarbeit in bestimmten territorialen Gebieten real möglich ist.

Die taubblinden Mitglieder müssen kontinuierlich in das Vereinsleben in den Kreisorganisationen einbezogen werden. Zum Taubblindendienst, Fachdienst im Diakonischen Werk der EKD, sowie zu den Verbänden der Gehörlosen und Schwerhörigen sind mit dem Ziel gemeinsamer Aktionen bestehende Kontakte effektiver weiterzuführen bzw. neue herzustellen. Hierzu gehört auch, dass nach § 14 des Gesetzes zur Verbesserung des selbstbestimmten Handelns von Menschen mit Behinderung (SächsIntegrG), Anfang 2007 eine Zielvereinbarung des BSVS und anderer Landesverbände im Freistaat mit der DZB abgeschlossen wird.

Eine stärkere Hinwendung muss zu den Personen mit Sehbehinderung und Gehöreinschränkung bis zu Taubheit wie auch mit Blindheit und Schwerhörigkeit erfolgen.

Die Anliegen blinder und sehbehinderter Diabetiker müssen im BSVS in Zusammenarbeit mit dem Diabetikerbund ihre spezifische Berücksichtigung finden.

VI. Blinden- und sehbehindertengerechte Gestaltung von Umwelt und Verkehr

Die Erfüllung dieser Aufgabe verlangt eine äußerst enge Zusammenarbeit mit kompetenten Partnern.

Der BSVS muss sich verstärkt und mit zunehmender Sachkenntnis für die Beseitigung und Überwindung von Barrieren für Blinde und Sehbehinderte einsetzen. Das betrifft neben dem Verkehrsbereich u. a. auch die Gestaltung von Informationssystemen sowie die Zugänglichkeit von öffentlichen Gebäuden, Kultureinrichtungen (einschließlich ihrer Angebote) und Sportanlagen.

Er strebt an, dass akustische und taktile Leitsysteme im Verkehrsraum im Freistaat Sachsen möglichst einheitlich gestaltet werden. Hier ist es notwendig das in Dresden sich in der Testphase befindliche BLIS auch in anderen Städten (Chemnitz, Leipzig) zu propagieren. Das ist in erster Linie Aufgabe der dort existierenden Kreisorganisationen und der Arbeitsgruppe „Umwelt und Verkehr“ des BSVS. In engem Kontakt mit den Vertretungen anderer Verkehrsteilnehmer (z.

B. ADAC, ADFC) und den Trägern von Verkehrswegen und - einrichtungen sucht der BSVS nach Problemlösungen im Interesse seiner Mitglieder (z. B. taktile Abgrenzung zwischen Fußgänger- und Fahrradweg). Da die Mobilität und Selbstständigkeit von Blinden und Sehbehinderten oftmals unterschätzt wird, ist es äußerst wichtig, die Notwendigkeit sowie Einrichtung von Verkehrsleitsystemen und anderen Maßnahmen gegen Barrieren, ständig zu unterstreichen. Die Einrichtung von Verkehrsleitsystemen und anderen Hilfen wirken sich wiederum positiv auf eine gesteigerte Mobilität und Selbstständigkeit aus.

VII. Die Einrichtungen des Verbandes

Im Landeshilfsmittelzentrum müssen die persönliche fachliche Profilierung und Qualifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zielstrebig fortgesetzt werden. Die Produkte des LHZ müssen durch sachlich richtige, in der Aufmachung ansprechende und regelmäßig wiederkehrende Werbeaktionen bekannt gemacht werden. Hierbei wird das LHZ beauftragt bis Mitte 2007 spezielle Werbeangebote für Menschen mit einer Sehbehinderung zu gestalten.

Die Bereiche Hilfsmittelberatung und -vertrieb, Text- und Grafikservice sowie Tonstudio werden gleichberechtigt aber in erster Linie bedarfsorientiert weiterentwickelt und auf möglichst hohem Niveau gehalten.

Auch künftig ist es Aufgabe des LHZ sowie eines jeden Betroffenen, Artikel aus dem allgemeinen Handelsangebot, die für Blinde und Sehbehinderte besonders geeignet sind, ausfindig zu machen und zu popularisieren. Ebenso sollen besondere Fertigkeiten und Erfahrungen (Tipps und Tricks für den Alltag) Blinder und Sehbehinderter publiziert werden.

Das LHZ trägt die Verantwortung dafür, dass verstärkte Anstrengungen unternommen werden, um die Hilfsmittelversorgung mehrfachbehinderter Blinder und Sehbehinderter spürbar zu verbessern. Die Bemühungen um die Entwicklung neuer Hilfsmittel für diesen Personenkreis sind zu verstärken.

Die Anstrengungen zur Einbeziehung ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Tätigkeit des LHZ ist weiter zu verstärken.

Der BSVS ist Alleingesellschafter der 2006 gegründeten BSVS Pflege- und Betreuungs gGmbH. Die BSVS Pflege- und Betreuungs gGmbH unterhält als Träger das Seniorenheim Schlossblick Rochsburg, eine Senioreneinrichtung für blinde, sehbehinderte und sehende ältere pflegebedürftige Menschen, sowie den ambulanten Pflegedienst „Pflege zu Hause“ in Penig. Diese beiden Einrichtungen sind Ausdruck eines besonderen sozialen Engagements.

Die Beratungs-, Bildungs-, Begegnungs- und Erholungsstätte Aurapension "Villa Rochsburg" übernimmt vielfältige Aufgaben im Verband. Sie lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Um die Erfüllung dieser Aufgaben abzusichern, wird der Landesvorstand beauftragt Möglichkeiten zur finanziellen Absicherung der „Villa Rochsburg“ zu konzipieren und einzuleiten, um damit die Weiterbeschäf- tigung der in der Aura-Pension angestellten Mitarbeiterinnen des BSVS zu sichern.

Es ist dafür Sorge zu tragen, dass das Haus ganzjährig genutzt wird.

Schlussbemerkung

Mit dieser Erklärung sind die wichtigsten Aufgaben für die 5. Wahlperiode (2006 – 2010) formuliert, vor denen der Blinden- und Sehbehindertenverband Sachsen als Selbsthilfeorganisation und Interessenvertretung blinder und sehbehinderter Bürger im Freistaat Sachsen steht. Ihre Erfüllung stellt an alle ehrenamtlichen und hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Verbandes hohe Anforderungen.

Sorgen wir gemeinsam dafür, dass wir ihnen in den nächsten Jahren erfolgreich gerecht werden.

Dresden im November 2006